Bungalow am Wald

Bungalow am Wald | Umbau und Sanierung zum Effizienzhaus 70
Bungalow am Wald | Umbau und Sanierung zum Effizienzhaus 70
Umbau und Sanierung eines 70er Jahre Bungalows zum Effizienzhaus 70 | 2010

Energetisch vorbildliches Sanierungsprojekt aus Münster in Barcelona ausgezeichnet. Erster Preis für „Bungalow am Wald“

Die energieeffiziente und gestalterisch hochwertige Sanierung eines 70er Jahre Bungalows in Münster Nienberge ist bereits im Jahr 2011 beim europaweit ausgelobten Energie-Effizienz-Award in Barcelona mit dem ersten Platz auf nationaler Ebene ausgezeichnet worden. Die Juroren bewerteten die eingereichten Projekte nach Kriterien wie Energie, Dämmung, Architektur und Kosten. Neben ansprechender Optik achteten die Fachexperten vor allem auf ein stimmiges energetisches Gesamtkonzept. Das Projekt des planungsbüros bau.RAUM der Architektin Petra L. Müller überzeugte die Jury unter dem Vorsitz des Dortmunder Architekturprofessors Armin Rogall vor allem durch „durch die gelungene Kombination aus moderner Architektur und sparsamen Verbrauchswerten“.

Die Lage
Am Ende einer Sackgasse gelegen, gut versteckt hinter einer Gartenmauer, fallen dem Besucher
des Hauses zuerst die Solarkollektoren auf dem erhöhten Flachdach der Wohnhalle ins
Auge. Um das kleine Haus von außen zu betrachten, betritt man durch eine Tür in der Mauer
den Garten, der an der Längsseite des Grundstückes vom Wald begrenzt und gerne von den
Rehen besucht wird. Jetzt wird der erhöhte Kubus der Wohnhalle sichtbar, der den Schlaf- und
Arbeitsbereich vom Wirtschaftsbereich des Hauses trennt.
Bungalow am Wald | Grundriss
Bungalow am Wald | Grundriss
Das Raumprogramm
Neben der großzügigen Wohnhalle mit angeschlossenem Esszimmer sah der alte Grundriss neben
Küche und Sani- tärräumen jedoch nur - wie zur Bauzeit üblich - ein großes Elternschlafzimmer
und ein kleineres Kinderzimmer vor. Der Grundriss musste also neu geordnet werden. Da
die Bauherrin ohnehin eine offene Küche wünschte, war die Lösung schnell gefunden. An Stelle
des Esszimmers wurde zur Halle hin eine offene Küche geplant. Der Zugang zur ehemaligen Küche
wurde geschlossen, der kleine Raum als Gästezimmer umgenutzt und über den Hauswirtschaftsraum
an das Kaminzimmer angeschlossen. Im alten Kinderzimmer ist der Schlafraum
untergebracht, im Elternschlafzimmer das Arbeitszimmer. Der Raum war über das Eckfenster
und die schmale Fenstertür zur Terrasse für eine Arbeitsnutzung nur unzureichend belichtet. Es
wurde daher ein großes Fenster mit Blick in den Garten ergänzt. Das Badezimmer konnte
durch Rückbau einer kleinen Kammer, in der der Elektrospeicher zur Warmwasserversorgung
untergebracht war, zum Wohlfühlbad umgebaut werden.
Bungalow am Wald, Fassadendetail vorher | nachher
Bungalow am Wald, Fassadendetail vorher | nachher
Die Bauteile
Das Haus wurde im Chique der 70er Jahre innen wie außen mit Sichtmauerwerk aus hellgrauem
Betonstein erbaut. Als Kontrast zu den hellen Steinen wurden großzügige, dunkel gebeizte Holzfenster und Holzelemente im Außenbereich verwendet. Prägend für das Haus ist zudem das umlaufende Lichtband der erhöhten Wohnhalle und der expressionistisch anmutende Kamin aus
Betonsteinen. Das Lichtband sollte unbedingt erhalten werden, was eine sorgfältige Planung
der Flachdachanschlüsse erforderlich machte.

Zwischen den zwei Schalen des Mauerwerks befand sich nur eine dünne Kerndämmung aus Polystyrol.
Hinter den Holzelementen über den Fenstern und Terrassen lag direkt der Ringbalken
ohne jede weitere Dämmung. Die Flachdächer aus Holz waren als hinterlüftete Kaltdächer ausgeführt,
mit Bitumenbahnen eingedichtet und bekiest. 

Eine kuriose Besonderheit stellt die Konstruktion der Bodenplatte dar. Hier wurde auf einen erhöhten Wärmeschutz geachtet und sehr originell umgesetzt. Der Architekt hat zwei Bodenplatten einbringen lassen. Die untere Bodenplatte schließt bündig mit der Unterkante der umlaufenden Strei- fenfundamente ab und ist gegen Feuchtigkeit abgedichtet. In diese Art Wanne wurden alte Styroporkisten auf Lücke (Verpackungsreste aus einer Apotheke) eingestellt. Aufgefüllt mit Bimsbeton wurde abschließend die eigentliche Bodenplatte gegossen, so dass die aufgebrachte Elektrofuß- bodenheizung gegen erhöhte Verluste gegen das Erdreich geschützt war.
Trotz dieser raffinierten Idee hatte das Haus vor der Sanierung einen erheblichen Energiebedarf.
Allein die elektrische Fußbodenheizung hatte einen mittleren Verbrauch von knapp 150 kWh/m2a, obgleich das Haus nur von einer Person bewohnt wurde. Dazu kam noch der Bedarf für die elektrische Warmwasserversorgung.

Das energetische Sanierungskonzept
Alle Außenbauteile wurden auf hohem Niveau energetisch ertüchtigt.
Das alte Kaltdach – in dem zahlreiche Mäuse Hummeln und Wespen ein Zuhause eingerichtet hatten - wurde zum Warmdach umgebaut. Dazu wurde zwischen der Balkenlage Klemmfilz der WLG 035 in 22 cm
Stärke eingebaut und luftdicht abgedichtet. Als Unterkonstruktion für die Gipskartonbekleidung kamen, in Abhängigkeit der Balkenhöhen Kanthölzer in 24 bis 50 mm Stärke zum Einsatz. Die Ebene wurde mit Untersparrenklemmfilz der WLG 035 in voller Höhe gedämmt.
Der U-Wert des Daches konnte so von 0,38 W/(m2K) auf 0,17 W/(m2K) verbessert werden. Das
Dach wurde mit einer ökologisch verträglichen Kunststoffdachbahn eingedichtet und extensiv begrünt, die alten Lichtkuppeln wurden durch hochwärmegedämmte Kuppeln ersetzt.

Die zweischaligen Außenwände wurden mit einem mine- ralischen Wärmedämmverbundsystem
saniert. Steinwolledämmplatten der WLG 035 in 20 cm Stärke wurden auf den Verblender aufgebracht
und mit einem hellen, mine- ralischen Kratzputz versehen. Der U-Wert der Außenwand
wurde so von 0,77 W/(m2K) auf 0,15 W/(m2K) verbessert. 

Die Bereiche hinter der alten Holzbekleidungen oberhalb der Fenster und Fensterbänder der Halle wurden mit schmalen Kanthölzern aufgedoppelt und mit Klemmfilz der WLG 035 in 20 cm Stärke gedämmt. Die Dämmung wurde nach außen mit Holzweichfaserplatten der WLG 040 in 4 cm Stärke abgeschlossen. Die Unterkonstruktion der hinterlüfteten, horizontalen Lärchenfassade aus rhombisch geschnittenen Hölzern wurde auf eine schwarze diffusionsoffene Fassadenbahn aufgebracht. Der U-Wert der Holzelemente beträgt nun 0,16 W/(m2K). Zuvor war hier der Wärmedurchgang bei einem U-Wert von 3,7 W/(m2K) besonders hoch. Die Fassadenelemente nehmen gestalterisch die alten Akzente der dunklen Holzbekleidung auf, wirken jedoch durch die offene Verlegung und die helle Farbe sehr viel frischer und leichter als zuvor.

Die alten Fenster mit Isolierverglasung wurden durch 3-fach verglaste Holzfenster aus lamellierter
Lärche ersetzt. Der U-Wert der Fenster konnte somit von 2,7 W/(m2K) auf 1,1 W/(m2K) verbessert
werden. Der Anteil der festverglasten Elemente wurde vergrößert, so dass die Rahmenanteile
minimiert und die solaren Erträge maximiert werden konnten. Zwei großzügige Schiebetürelemente
eröffnen den Zugang zu den Terrassen.

Zu Beginn der Planungen wollte die Bauherrin gerne die markanten und stilprägenden Dächer
über den Terrassen erhalten. Da diese jedoch ohne jegliche thermische Trennung an die Balkenlagen
der Flachdächer angeschlossen waren, mussten sie für die Sanierung der Fassaden
zurückgebaut werden. Nach dem Rückbau die große Überraschung: Die Wohnhalle lichtdurchflutet!
Ergänzt durch das Schattenspiel der Lichtbänder. So wurde schnell entschieden,
auf den Wiedereinbau der massiven Überdachung zu verzichten. Stattdessen wurden Montageplatten
in das Wärmedämmverbundsystem eingelassen, die zu einem späteren Zeitpunkt die Montage leichter Glasdächer erlauben.

Der Bodenbelag wurde samt Estrich und Heizdrähten bis Oberkante Bodenplatte zurückgebaut,
um eine wassergeführte Fußbodenheizung einbauen zu können. Unter dem neuen Anhydritestrich
wurde eine Montagedämmplatte für die Fußbodenheizung [3 cm, R = 0,860 m2K/W] auf
8 cm Dämmung der WLG 035 verlegt. Der U-Wert der Bodenplatte beträgt nun 0,18 W/(m2K)
im Vergleich zu 0,53 W/ (m2K) vor der Sanierung. Der gesamte Wohnbereich wurde mit Nussbaumparkett
belegt, Nebenräume und Eingang mit großformatigen Feinsteinzeugplatten.

Trotz des sehr nachteiligen A/V Verhältnisses des eingeschossigen, stark verwinkelten Gebäudes
konnte mit dem Sanierungskonzept ein hervorragender spezifischer Transmissionswäremtransfer- koeffizient H`T von 0,25 W/( m2K) erreicht werden (im Bestand 0,78 W/( m2K)).

Die Haustechnik
Im Bestand wurde der gesamte Heizenergiebedarf durch Elektrizität gedeckt. Bei der Konzeption
der Anlagentechnik stand der Einsatz von Solarwärme im Vordergrund. Auf den Einsatz weiterer
erneuerbarer Energien in Form eines Pelletkessels musste aus Platzgründen verzichtet werden;
das Haus ist nicht unterkellert und die gesamte Technik musste auf engstem Raum untergebracht
werden. So ergänzt ein kompakter wandhängender verbesserter Brennwertkessel
die Solaranlage zur Heizungsunterstützung und Trinkwarmwasserbereitung auf dem Dach der
Wohnhalle. Die öffentliche Gasleitung lag bereits bis zum Grundstück, so dass der Anschluss an
das öffentliche Netz mit geringem Aufwand realisiert werden konnte.
Auf Grund der hohen Luftdichtheit der sanierten Gebäudehülle (n50 < 1,50 h-1) ist eine Lüftungsanlage
zum Einsatz kommen. Bedingt durch die Kubatur mit der mittig im Haus gelegenen,
erhöhten Wohnhalle erwies sich der Einbau einer zentralen Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung
jedoch als sehr aufwendig. Bei dezentralen Geräten mit Wärmerückgewinnung
befürchtete die Bauherrin Geräuschbelästigungen durch die Ventilatoren, da die Umgebung
des Hauses extrem ruhig ist und so selbst die geringen Ventilatorgeräusche als störend empfunden
werden könnten. Zum Einsatz kam daher eine sehr installationsfreundliche und recht kosteneffiziente
Alternative mit einem zentralen Ventilator zur Abluftabführung und dezentralen, bedarfsgesteuerten
Zuluftelementen in den Außenwänden der Aufenthaltsräume. Die Abluftmengen lassen sich über Präsenzsensoren und manuelle Tastung bei Bedarf erhöhen.

Den eindrucksvollen Kamin wollte die Bauherrin anfangs aus Platzgründen zurückbauen, sie
konnte jedoch bald davon überzeugt werden, dass der Kamin erhaltenswert ist und den Stil des
Hauses maßgeblich prägt. Der Kamin wurde sehr behutsam für den Einbau einer Heizkassette
angepasst, so dass er in der Übergangsjahreszeit und im Winter mit zur Beheizung des Hauses
beitragen kann.

Mit der ganzheitlichen Sanierung des Bungalows konnte der Heizwärmebedarf des Hauses um
mehr als 67 % auf 55 kWh/m2a reduziert werden. Der Primärenergiebedarf reduzierte sich durch den
Einsatz erneuerbarer Energien und Gas um 86 % von 530 kWh/m2a auf 73 kWh/m2a. Der CO2-Ausstoß wurde ebenfalls um 86 % von knapp 23 to/a auf gut 3 to/a gemindert.
Im ersten Winter nach Bezug des Hauses kamen die Rehe aus dem Wald auf die Terrasse, doch
sicher nicht, um sich zu wärmen, denn die Wärme bleibt dank der gut verpackten Gebäudehülle
nun im Haus.
Veröffentlichungen: 
BKI Baukosten 2014 Altbau 2014, Stuttgart 2014
BKI Energiesparende Konstruktionsdetails K4, Stuttgart 2014
Energiesparendes Bauen und Sanieren, 2015, Hrsg. Stadt Münster im VBB Thissen Verlag, Waldbröl
wksb Zeitschrift für Wärmeschutz • Kälteschutz • Schallschutz • Brandschutz, Heft 65 | 2011