Wettbewerb Integra|2011

Visualisierung Neubau Integra
Neubau Integra Hauptgebäude, Wohlen Schweiz
Realisierungswettbewerb für das neue Hauptgebäude der Integra, Stiftung für Behinderte im Freiamt mit Werkstätten und Mensa |2011|Teilnahme

Für die Ausbildung, Betreuung und Beschäftigung von 240 Menschen und rund 70 Arbeitsplätze für das betreuende Personal war ein barrierefreies, energieeffizientes & nachhaltiges Gebäude zu planen. Das gut 8,6 ha große Wettbewerbsgrundstück liegt in unmittelbarer Nähe der Kantonschule Wohlen, einem großartigen und seinerzeit innovativen Schulkomplex der späten 80er Jahre von Santiago Calatrava und Burkard Meier Steiger Architekten.

Die Nutzungsstruktur des Entwurfes berücksichtigt die Belange der 5 operativen Bereiche der Integra:
 • Produktion mit Lettershop | Konfektion | Montage | Mechanik
 • Kreativ Werkstatt zur Beschäftigung schwerst mehrfach behinderter Menschen
 • Berufliche Maßnahmen zur Frühintervention & -integration
 • Facilities mit Gastronomie für die Bewohner und Mitarbeiter sowie für die Schüler
 der Kantonsschule | Hausdienst | Lingerie | Infrastruktur Liegenschaften |
 Transportwesen | Gewerbe
 • Verwaltung
Integra, Grundriss Erdgeschoss
Entwurfskonzept | Einpassung in den ortsbaulichen Kontext 
Der Neubau für die Integra auf dem "Neuland" legt sich diagonal als "S" über das Grundstück. Das viergeschossige Gebäude öffnet sich dabei mit einer freundlich geschwungenen Geste zur Ortsmitte. Zu den angrenzenden Wohngebieten und zur benachbarten Kantonsschule schieben sich die einladenden Räume von Mensa und Kantine im Erdgeschoss aus dem kompakten Baukörper hervor. 

Auf der Rückseite der geschwungenen Form widerholt sich diese Auffächerung und schafft so gute Bedingungen für den Lieferverkehr. Hier findet sich der Wirtschaftshof mit Anlieferung und Lagerung, der somit komplett vom öffentlichen Bereich im vorderen Teil des Grundstückes getrennt ist.

Das Volumen ist im 3. Obergeschoss mit einer begrünten Terrasse zurückgestaffelt. So ensteht in luftiger Höhe ein sehr geschützter, intimer  Freiraum für die Betreuten, der neue Nutzungs- und Beschäftigungsperspektiven eröffnet (Kräuteranzucht und -verarbeitung, Integraimkerei etc.).

Im Kontext zur Wohnsiedlung nimmt sich das Gebäude so in der Höhe zurück während es zum Gewerbegebiet hin seine volle Höhe ausspielt und damit ein starkes Rückrat zeigt.

Mit der kompakten, klaren und doch eigenwilligen Form nimmt das Gebäude Bezug auf den langgestreckten Baukörper der Kantonsschule und schreibt diesen auf dem Grundstück quasi fort.
Grundrisse Erdgeschoss, 1. & 2. Obergeschoss
Grundrisse 1. – 3. Obergeschoss
Erschliessungskonzept 
Die Verkehrswege des motorisierten Lieferverkehrs auf der einen Seite und der zu Fuß kommenden Mitarbeiter und Betreuten der Integra auf der anderen Seite sind strikt voneinander getrennt.

Die Zufahrt für den Lieferverkehr erfolgt vom Gewerbegebiet aus über die Rigackerstraße. Paralell zur nord-westlichen Grundstücksgrenze verläuft die Zufahrt zu den Laderampen für die Küche, für die allgemeine Anlieferung von Materialien sowie für die Lingerie. Zur Anfahrt sind keine Wendemanöver notwendig, die Fahrzeuge setzen rückwärts an die Ladedocks an. Die Ausfahrt  führt zum Schützenmattweg. Die Parkplätze für Personal und Betreute sind in einer Tiefgarage untergebracht. Die Zufahrt zur Tiefgarage liegt ebenfalls an der Rigackerstraße.
Hier findet sich auch ein Teil der oberirdischen Besucherparkplätze.

An der süd-östlichen Grundstücksecke liegt die Vorfahrt für die Minibusse. Die Vorfahrt wird über den Schützenmattweg erreicht. Hier können die Betreuten ein- und aussteigen und über den Haupteingang das Gebäude betreten.
Integra Schwarzplan mit Erschließung
Integra | Schwarzplan mit Erschließung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Architektonischer Ausdruck | Außen- und Innenräume 
Mit seiner äußeren Gestaltung positioniert sich der Baukörper an der Schnittstelle zwischen gesichtslosen Gewerbebauten, kleinteiliger Wohnbebauung und der nüchternen Ästethik der Kantonsschule. Die horizontale Lärchenbekleidung betont die langgestrecke, horizontal betonte Kubatur des Gebäudes. Kräftig farbige und freundliche Akzente setzen die emaillierten Gläser in den geschlossenen Bereichen der Fensterbänder. Die Hausfarben der Integra werden hier in Abstufungen eingesetzt und prägen die "corporate identity" des neuen Hauptgebäudes. Das dichte grüne Band aus Bambusstauden am Rand der Attika konturiert den Luftraum der Dachterrasse. Die Innenräume gestalten sich licht und großzügig. Zum Einsatz kommen natürliche Materialien wie Holz, Steinzeug und mineralische Putze. Auch hier finden sich die Hausfarben wieder. Sie dienen dabei als Orientierungshilfen im Gebäude (Treppenhäuser, Flure, Prouktionsbereiche) und setzen farbige Akzente, etwa bei der geschlossenen Brüstung der Freitreppe in der Halle oder als Markierung auf Glaselementen. Im Bereich der Kreativwerkstätten im dritten Obergeschoss sind die Innenwände zum Flur großzügig verglast, um einen Ausblick auf den Dachgarten zu ermöglichen. Bei Bedarf können die Glaselemente mit Lamellen zugezogen werden. Auch der zentrale Sitzungsraum an der Halle im ersten Obergeschoss hat eine Glastrennwand zur Halle. So kann an dieser Stelle die ganze Gebäudetiefe wahrgenommen werden. Das Luftvolumen des Sitzungsraumes erstreckt sich über zwei Geschosse und bietet Raum für eine "Luftskulptur". 

Raumorganisation | Betriebsabläufe 
Das Gebäude gliedert sich in mehrer Bereiche, die variable Nutzungen und Überschneidungen zulassen. Der Bereich "Versorgung" mit Betriebsküche, Mensa und Kantine kann separat von den anderen Bereichen genutzt und von diesen abgetrennt werden. Kantine und Mensa können so flexibel für in- und externe Veranstaltungen genutzt werden. Die lichtdurchflutete Halle ist der zentrale Verbindungs- und Treffpunkt mit Cafeteria und Verkaufsraum. Hat die Kantine geschlossen, besteht die Möglichkeit der Versorgung über die Cafeteria, die sich großzügig zur Halle öffnen lässt.Die Verwaltung liegt zentral und von überall gut erreichbar über dem Versorgungsbereich im ersten Obergeschoss. Die  Produktionsbereiche mechanische Werkstätten mit schweren Maschinen sowie die Lingerie und die Spedition befinden sich im Erdgeschoss und sind so auf kürzestem Weg mit den Lagern im Untergeschoss und der Be- und Entladung verbunden. In den Obergeschossen sind die Produktionsbereiche Montage, Lettershop und Kreativwerkstätten untergebracht. Sie sind nach Südosten und Südwesten ausgerichtet und den ganzen Tag mit Tageslicht versorgt. Es besteht keine strikte Trennung zwischen diesen Bereichen, wohl aber eine sinnfällige Gruppierung, die die internen Betriebsabläufe optimiert. Die offenen Nischen der Flure und die Halle bieten in jeder Etage Kontakt und Kommunikationsmöglichkeiten. Alle Nebenräume wie Lager, Arbeitsvorbereitung, Garderoben und Sanitärräume sind zur Nordwestseite des Gebäudes orientiert. Die Lehrlingswerkstätten sind räumlich den jeweiligen Produktionsbereichen zugeordnet. Im Kellergeschoss befinden sich neben der Tiefgarage auch die Haustechnik, das Zentrallager sowie das Palettenlager und Räume für die Facilitiesgruppe. Ein Lastenaufzug verbindet das Palettenlager auf kürzestem Weg mit der Spedition. Auf Grund der erforderlichen Raumhöhe für das Lager besteht die Möglichkeit weitere Stellplätze durch den Einbau von Doppelparkern in der Tiefgarage unterzubringen. 

Innere Erschliessung und Orientierung 
Die innere Erschließung erfolgt über die zetrale Halle mit beidseitig anbindenden Fluren. Am Ende der beiden Flure befinden sich Treppenhäuser, Aufzüge und Ausgänge. Die einläufige markante Treppe der Halle öffnet diese über alle Geschosse in die Vertikale. Die Flure sind großzügig dimensioniert und erlauben auf Grund ihrer differenzierten Geometrie eine gute Orientierung. Sie sind durch Sitznischen zumeist in der Nähe der Sanitärräume aufgeweitet und belichtet.

Externe Erschliessung und Freiräume 
Die Freiraumgestaltung des Gartenbereichs orientiert sich an den Bedürfnissen der Betreuten. Hier finden sich differenzierte Angebote zum Entspannen, Plaudern und Essen. Die Terrassen vor der Mensa, der Kantine und den Gasträumen laden dazu ein, das Essen im Freien zu geniessen und dabei dem Treiben auf der Straße zuzusehen. Das Niveau des Geländes ist an dersüdöstlichen Grenze parallel auf die Höhen der Allmendstraße angepasst. Der gedeckte Bereich auf den Terrassen kann auch als Raucherbereich genutzt werden. Zwischen dem Baukörper und dem Besucherparkplatz liegen gut geschützt die Ruhebänke im Rosengarten. Duftende Pflanzen und Rosen bestimmen den Rückzugsbereich. Mehr Geselligkeit bietet der Treffpunkt auf der Rundbank direkt am Eingang unter dem "Hausbaum". Barrierefreiheit Das Gebäude und die Freiflächen werden den Belangen behinderter Menschen in besonderer Weise gerecht. Im Inneren des Gebäudes ist durch die klare Gliederung eine gute Orientierung gewährleistet. Flure und Räume lassen sich barrierefrei benutzen. Höhenunterschiede im Außenbereich werden über befahrbare Rampen  bewältigt, Stufen werden so komplett vermieden. Die Brüstungen aller Produktions- und Aufenthaltsräume sind maximal 60 cm hoch, so dass auch Menschen im Rollstuhl der Ausblick ins Freie nicht verwehrt wird.

Energetische Qualität
Die kompakte Bauform ist mit hochwertig gedämmten Bauteilen versehen  [--->Fassadenschnitt]. Die Fassaden sind von Südosten nach Südwesten großzügig verglast, die Ausnutzung der solaren Gewinne im Winter ist somit gegeben. Dagegen sind die nach Norden und Nordwesten ausgerichteten Fassaden wesentlich geschlossener. Hier überwiegen schmale Lichtbänder zur natürlichen Belichtung und Belüftung der Nebenräume. Die gut gedämmten Flachdächer sind extensiv begrünt und wirken als zusätzlicher Wärme- und Kältepuffer.

Anlagentechnik
Die hohe energetische Qualität des Gebäudes sollte durch ein energieoptimiertes Anlagenkonzept ergänzt werden. Vorgeschlagen wird ein Blockheizkraftwerk zur Warmwasserbereitung, Heizwärme- und Stromerzeugung. Ergänzt werden sollte dieses durch solarthermische Anlagen auf dem Flachdach. Diese können optimal ausgrichtet werden und die Warmwasserbereitung während der Sommermonate maßgeblich übernehmen sowie in der Übergangszeit die Heizung unterstützen. Bereiche, die eine Lüftungsanlage erfordern (Küche, Mensa, Kantine) sollten mit Wämerückgewinnungsanlagen ausgestattet werden. Aus energetischer und bauphysikalischer Sicht wird für alle Aufenthaltsräume zu einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung geraten, um hygienische Raumluftbedingungen sicherzustellen und unnötige Lüftungswärmeverluste zu vermeiden und somit das Gebäude wirtschaftlich betreiben zu können. Die sommerliche Wärme wird nachts über die Lüftungsklappen durch natürliche Querlüftung aus dem Gebäude geführt. Die Lüftungsklappen können tagsüber auch manuell für freie Lüftungen genutzt werden.

Wirtschaftlichkeit
Die Fassade des Gebäudes ist elemetiert und kann auf rationelle Art vorgefertigt werden. Das Fassadenraster mit den 1,35 breiten Holzrahmenelementen ermöglicht eine effiziente und kostengünstige Art, den geschwungenen Baukörper zu bekleiden. Es gibt nur wenige Fensterformate. Der Innenausbau soll ebenfalls im Trockenbau erfolgen. Auch hier ist eine Vorfertigung von Wandtafeln möglich. Das Kellergeschoss, die Tragstruktur aus Stützen und Deckenplatten sowie die Treppenhäuser als aussteifende Kerne werden vor Ort erbaut.
Die Vorfertigung bietet die charmante Möglichkeit, dass Teile der Fassade, nämlich die Rhombenbekleidung in den Werkstätten der Integra vorkonfektioniert und bearbeitet werden können. Somit bestehen Potentiale der Kostenoptimierung und vor allem die Identifikation der Betreuten mit ihrem neuen Haus und eine praktische Integration bei der Durchführung der Maßnahme.

Erweiterung
Das Volumen für die optionale Erweiterung bei langfristig gestiegenem Raumbedarf verteilt sich auf zwei Bereiche: Ein Teil des Raumbedarfs wird in der Aufstockung des Gebäudes untergebracht. Werden die zukünftigen Deckenlasten bereits bei der Planung berücksichtigt und die Installationen für die spätere Aufstockung vorbereitet, kann hier sehr wirtschaftlich und ohne größere Eingriffe in den Bestand erweitert werden. Das verbleibende Volumen wird in Form eines aufgeständerten Anbaus realisiert. Der zweigeschossige Anbau nimmt die radiale Form des Bauköpers und die Höhe des 2. Obergeschosses auf. Die Aufständerung bedingt nur geringe Anpassungen in den Freianlagen. Die Durchlässigkeit der Erschließung vom Schützenmattweg für Fußgänger und Besucherautos bleibt erhalten. Das neue Volumen gibt dem Eingangshof eine neue intimere Qualität ohne ihn gänzlich abzuschotten.